Arbeitskreis: Armut und Solidarität
Der Anfang
Beim Treffen am 23. November 1997 befasste sich der Ständige Arbeitskreis (StAk) des Freckenhorster Kreises mit der Realität der Neuen Armut in der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Als Freckenhorster Kreis wollten wir uns auch in Deutschland aus christlicher Überzeugung sozial-politisch engagieren. So bildete sich Ende 1998 die Projektgruppe Armut und Solidarität.Wir wollten mit unserem Engagement beitragen:
- zu mehr Solidarität mit Menschen am Rand unserer Gesellschaft
- zur Bewusstseinsbildung über gesellschaftliche Umverteilungsprozesse
- dass Menschen am Rand zu Wort kommen können
- dass sozial Engagierte sich begegnen, stärken und ermutigen können
- zur Umsetzung des Sozialwortes der Kirchen,
- zur Profilierung der sozialen Verantwortung der Gemeinden, aus denen wir kommen
- zur Weiterenwicklung des Freckenhorster Kreises.
Im Rahmen des Bistumsjubiläums fanden im Frühjahr 2005 mit Beteiligung des Arbeitskreises Armut und Solidarität des Freckenhorster Kreises unter dem Thema "Liebesgeschichte" Option für die Armen, zwei Veranstaltungen im Franz-Hitze-Haus, Münster statt:
16.03.2005 Reform des Sozialstaates - wo bleiben die Armen?
mit Dr. Wolfgng Kessler, Wirtschaftspublizist, Oberursel
11.04.2005 100 Tage Hartz, Erfahrungen Fragen Perspektiven
in Zusammenarbeit mit: Freckenhorster Kreis; Caritaskonferenzen Deutschlands (CKD) im Bistum Münster, Gasthaus Recklinghausen
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Das Heilige Jahr 2000
Einen ersten Einstieg fand der Arbeitskreis Armut und Solidarität mit der Idee einer alternativen Gestaltung des Heiligen Jahres 2000. Unter dem Eindruck der bevorstehenden Zeitenwende einerseits und mit dem Wissen um die Bedeutung eines Heiligen Jahres, des Jubeljahres, andererseits, wollten Mitglieder des Freckenhorster Kreises Alternativen suchen zu den offiziellen Feierlichkeiten und Ritualen eines Heiligen Jahres.Wir informierten uns über die jüdisch-christliche Tradition der Sabbatjahre, Jubel- oder Jobeljahre. Allen gemeinsam ist das Anliegen nach mehr Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich. Die Verehrung und der Lobpreis Gottes, die Versöhnung mit ihm wird am offensichtlichsten in der Befreiung der Armen und Entrechteten realisiert.
Verkündet die Freiheit im Lande für alle Bewohner! (Levitikus 25,10)
Im Geist des alttestamentarischen Buches Levitikus werden die Christen alle Armen der Welt vertreten und unterstützen müssen, wobei sie das Jubiläum als eine Gelegenheit vorschlagen, unter anderem an eine beachtliche Reduzierung, wenn nicht sogar an einen totalen Erlass der internationalen Schulden zu denken, die auf dem Schicksal vieler Nationen lasten." So Papst Johannes Paul II. in Tertio millenio adveniente.
Die Aktion Heiliges Jahr 2000. Auf Seiten der Armen
Eine Projektgruppe mit VertreterInnen aus Kirchengemeinden, Caritasverbänden und Initiativen war seit Ende 1998 mit der Entwicklung, Organisation und Durchführung der Aktion beschäftigt.Die Auftaktveranstaltung am 27. November 2000 in St. Paulus, Recklinghausen
Mit 120 Männern und Frauen als VertreterInnen aus 35 Gemeinden, sechs Ordensgemeinschaften, neun Caritasverbänden und 10 weiteren Gruppen, veranstalteten der Freckenhorster Kreis und der Diözesancaritasverband Münster eine Auftaktveranstaltung zum Heiligen Jahr 2000.
Zu Beginn wies Pfr. Bernhard Lübbering von der Gastkirche in Recklinghausen auf das Jobeljahr hin, das in der Geschichte des jüdischen Volkes eine wichtige Rolle spielt: Eigentum zurückgeben, Schulden erlassen, Sklaven freilassen. Verkündet die Freiheit im Lande für alle Bewohner, so lautet die Grundbotschaft in jedem Heiligen Jahr.
Dr. Hadwig Müller vom missionswissenschaftlichen Institut in Aachen gab mit ihrem Vortrag einen wichtigen Impuls zu Beginn. Leidenschaft: Stärke der Armen Stärke Gottes. Frau Müller hatte über 10 Jahre in Brasilien gelebt. Sie schlug einen Bogen von ihren Erfahrungen an der Seite der armen Bevölkerung und der Lebenssituation Armer in Europa: Armut ist geraubtes Leben. Armen Menschen fehle nicht allein Geld, ihnen werden Menschenrechte geraubt, die Freiheit, das Selbstbewusstsein, das Planen-Können, die Vision ihrer eigenen Zukunft.
Doch die Begegnung mit armen Menschen könne auch viel Stärke vermitteln. Gelernt hat sie: Geduld als Stärke zu erleben, Zeit haben, Sinn für menschliche Begegnung, Empfindsamkeit im Leiden.
Die Arbeitsgruppen am Nachmittag griffen die verschiedenen Lebenslagen von Menschen am Rand auf: Betroffen von Arbeitslosigkeit, Flüchtlingsschicksal, Prostitution, Gefangensein, Wohnungslosigkeit, Suchterkrankung. Projekte aus Gemeinden und Caritasverbänden stellten ihre Form der Hilfe und Unterstützung, der Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit vor.
Projekte aus Gemeinden und Caritasverbänden stellten ihre Form der Hilfe und Unterstützung, der Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit vor.
Im Mittelpunkt der Schlussmeditation stand das für die Aktion zum Heiligen Jahr entworfene Plakat des Künstlers Paul Reding: Heiliges Jahr 2000. Auf Seiten der Armen".
Die WAZ in Haltern vom 2.12.1999 titelte ihren Bericht mit Ein Aufbruch zu mehr Menschlichkeit...
Studientag Menschen Mächte Märkte
Dr. Wolfgang Kessler von Publik Forum, 1. September 2000 in St. Marien, Recklinghausen
Drei Millionen Menschen müssen in Deutschland im Jahr 2000 von der Sozialhilfe leben. 2,6 Millionen überschuldete Haushalte gibt es. Dagegen sind die Gewinne der Unternehmen um ein Vielfaches mehr gestiegen als die Löhne. Das Produktionsvermögen befindet sich in wenigen Händen. Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern ist im Laufe der Jahre immer größer geworden. Gründe dafür sah der Referent in der andauernd hohen Arbeitslosigkeit, in der Globalisierung und in der undurchsichtigen Steuergesetzgebung, die einseitig die Reichen begünstigte.
Die Gesellschaft werde an dieser Spaltung zerbrechen, soziale Spannungen und gewalttätige Auseinandersetzungen werden folgen. doch dazu müsse es nicht kommen, wenn sich eine politische Struktur und gesellschaftliche Haltung des Teilens entwickle.
Abschlussveranstaltung zum Heiligen Jahr 2000. Auf Seiten der Armen Visionen und Hoffnungen für unsere Gesellschaft heute
Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ/ Frankfurt/M. 11. November 2000 im Gottfried - Könzgen - Heim, Haltern
Im Einladungstext für diese Veranstaltung hieß es: Wichtig ist uns das Feiern als Abschluss der Aktion zum Heiligen Jahr 2000. Im Erzählen, Zuhören und Schreiben, im Singen, Malen, Tanzen und Trommeln wollen wir unsere Visionen entdecken, ausdrücken und teilen, um darin zugleich Kraftquellen für das gemeinsame Tun zu finden. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen zusammen unsere Hoffnungen und Initiativen zu stärken, so dass wir ideenreich und solidarisch mit den Armen unserer Gesellschaft aktiv zu werden lernen.
P. Friedhelm Hengsbach schlug den Bogen von der Beschreibung, wohin sich unsere Gesellschaft augenblicklich zu entwickeln scheint zu den daraus erwachsenden Herausforderungen für die Kirchen.
Am Ende wurde der Wunsch geäußert, miteinander in Kontakt zu bleiben und sich einmal im Jahr mit Gleichgesinnten zu treffen.
Der Kalender für das Jahr 2001
Gemeinsam mit den vielen Initiativen und Gruppen, die sich im Lauf der vorangegangenen Treffen kennen gelernt hatten, wurde ein Wochenkalender für das Jahr 2001 zusammengestellt. Er gab Hintergrundinformationen zu Armut und Ausgrenzung, regte zu solidarischem Handeln an und stellte soziale Projekte vor.
Der Kalender sollte mit jedem Blatt die BetrachterInnen ermutigen, Augen und Herzen zu öffnen im Stadtteil, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft. Er fand eine weite Verbreitung über den Kreis der TeilnehmerInnen an der Aktion hinaus.
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Wie ging es weiter...?
Begegnungstreffen mit Obdachlosen aus Hamburg und einem Inhaftieren aus Recklinghausen am 22. Juni 2001 in St. Paulus, RecklinghausenEin besonders und gar nicht so leicht umzusetzender Vorsatz war unser Bemühen, uns mit Menschen auszutauschen, die in einer schwierigen Lebenslage sind. Dazu hatten wird Freiwillige der Hamburger MitarbeiterInnen der internationalen Bewegung ATD Vierte Welt eingeladen, die gemeinsam mit einer Frau und einem Mann kamen, die auf der Straße lebten. Durch den Kontakt zu ATD Vierte Welt hatten beide wieder Halt gefunden.
Ehrenamtliche der Knastgruppe von der Gastkirche in Recklinghausen hatten einen jungen Inhaftierten mitgebracht. Die Begegnung mit diesen drei Menschen war bewegend und konfrontierte existentieller mit der Erfahrung von sozialem Absturz, Ausgrenzung, Armut und praktizierter Solidarität.
ATD Vierte Welt wurde von Pater Josef Wresinski 1957 in der Nähe von Paris in einer Obdachlosensiedlung gegründet. Es ist keine Schande in Armut zu leben. Es ist eine Schande, Armut zuzulassen, so P. Josef. Aide á Toutes Detresse bedeutet Hilfe in höchster Not in der Vierten Welt, in unseren reichen Ländern.
Regionaltreffen vom FÜR zum MIT den Betroffenen am 10. November 2001 in St. Norbert, Lünen
An diesem Treffen waren vor allem Gruppen aus der Stadt Lünen beteiligt. Wichtig war uns, dass Betroffene zu Wort kamen. Ein behinderter Jugendlicher fasste die Bedeutung des Tages folgendermaßen zusammen: Es ist ein Glücksgefühl heute, dass jemand mir zuhört! Das Referat von Dr. Ulrich Thien vom Diözesancaritasverband Münster zum neu erschienen ersten Armuts- und Reichtumsbericht der neuen Bundesregierung gab einen Einblick in die komplizierte Materie und Aussagekraft einer Armutsberichterstattung.
Kontakt zu ATAC
Um nicht in lokalen Aktivitäten stecken zu bleiben und die globale strukturelle Dimension von Armut und Umverteilung im Blick zu behalten, suchten wir Kontakt zur globalisierungskritischen Organisation ATTAC.
Bei einem Treffen mit ATTAC-Mitgliedern aus dem Kreis Recklinghausen kamen wir zum Schluss, mit ATTAC in Kontakt bleiben zu wollen.
Und heute?
- Die Arbeitsgruppe Armut und Solidarität umfasst 8 Männer und Frauen. Uuml;ber neue Interessierte freuen wir uns!
- Der AK trifft sich alle 2 3 Monate in den Räumen der Gastkirche in Recklinghausen.
- Auch weiterhin sind regionale Treffen im Bistum Münster geplant. Das nächste wird im Sommer 2003 in Haltern sein.
Ansprechpartner des Arbeitskreises:
Gabriela Schulz
Telefon: (0 25 01) 58 88 13
E-Mail: schulz-g.m@gmx.de
Alo Echelmeyer
Wichernstrasse 5
48147 Münster
Telefon: (02 51) 2 24 29
E-Mail: echelmey@muenster.de
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